Der Ötscher Ultra ist schon länger in meinen Gedanken, doch irgendwie wollte es nie sein. Doch dieses Jahr passt er perfekt zur Vorbereitung auf den Lavaredo Ultra und somit werden die 70km und 3000hm die auf zwei Tage aufgeteilt sind (50/1850 u. 20/1150) in Angriff genommen.

 

Tag 1

Die 50km sind mit 10 Verpflegungsstellen ausgestatten, was jegliches Zusatzgepäck überflüssig macht, und so kann man fast „nackt“ laufen. Sehr fokussiert und mit dem Ziel vor Augen die 50km unter einer 6:00m Pace zu laufen, starten wir aus Lackenhof. Ich komme gut in die Gänge und laufe unter den Top 5 die ersten Kilometer über Forststraßen in Richtung „Vorderer Tormauer“ wo sich nach einer kleinen Erfrischung auf den Weg Richtung Treffling gemacht wird.

Es geht dauernd auf und abwärts auf sehr hartem Untergrund, da wären Laufschuhe wohl die bessere Wahl gewesen. Doch wenigstens werden die km sehr schnell abgespult, der lange Weg von der Buchenstube nach Gösing zieht sich ewig, und nach dem ca.3-4km langem Bergablauf auf der harten Forststraße sehne ich mich nach Abwechslung oder zumindest nach ein paar Höhenmeter.

Bei km 30 in Erlaufboden kommt endlich die gute Nachricht, es geht wieder stetig bergauf und die malerische Gegend der Schlucht vom Ötscherbach lassen langsam kommende Schmerzen vergessen.

Die traumhafte Gegend erforschen aber auch sehr viele Touristen, und somit werden die „Entschuldigung, darf ich kurz“ Sätze beinahe im Sekundentakt ausgesprochen.

Je näher ich der hinteren Tormauer komme desto weniger Tourismus ist und es kann endlich mal durchgeatmet werden. Nach dem abschließenden Bestaunen des Lassingfalls und des Mirafalls ziehen wir rechts weg und kämpfen uns über sehr steiles Gelände zu Verpflegungsstelle Nr. 8, wo wiedermal richtig aufgetankt wird. Die Sonne brennt jetzt zum Teil gnadenlos auf uns herab, was bei km 40 dann schon doppelt so hart ist. Wieder 5km Forststraße lassen mich langsam verzweifeln, doch ich liege gut in der Zeit und so kämpfe ich mich zur 9. Verpflegungsstelle, wo zum Erstaunen der Betreuer für mich die gute Nachricht kommt, dass es noch mal steil bergauf geht. In den Oberschenkel ist noch genügend Kraft und so erhole ich mich auf den ca. 1,5km langen Anstieg sehr gut. Oben angekommen und noch einmal einen kleinen Schluck bei der letzten Verpflegungsstation genommen, sind die Beine wieder frei und so werden die letzten km bergab in einer ordentlichen Pace bewältigt, was im Klartext heißt ich finishe in 4:54:26.

Was gesamt Platz 7 und in der AK Platz 3 heißt. Der Hammer!

Zu diesem Zeitpunkt bin ich auch in der Ultra Wertung ca. 3 min vor dem Viertplatzierten auf Platz 3. Also ist Zurücklehnen am nächsten Tag keine Option.

Tag2

Die Nacht regnet es durch, doch entgegen der Voraussagen hört es am Morgen auf und es locker auf, sodass sogar ein paar Sonnenstrahlen durchblitzen.

Wie schon befürchtet wird wegen der Schneeverhältnisse nicht über den „Rauen Kamm“ gelaufen und somit wird eine Ersatzroute gewählt, die im Endeffekt dann 18km/1100hm betragen wird.

Nach langsamem Einlaufen werden die Beine etwas leichter, und so wird auch an diesem Tag bei den Topläufern gestartet.

Die Einlaufrunde wie die Veranstalter es nennen, geht durch das schöne Lackenhof bis es zum Waldesrand erstmals wieder bergauf geht. Es geht bergauf und bergab. Die Beine spielen besser wie erwartet mit und so kommen wir nach ca. 5km zum Anstieg auf den Ötscher. Bei dem Anstieg bin ich ca. auf Platz 9 oder 10 und ich kann die Pace noch immer gut halten. Ich weiß, dass mir die Startnummer 77 noch meinen Platz 3 in der Ultra Wertung streitig machen kann, was mich öfters etwas nervös zurückschauen lässt. Doch ich kann ihm bergauf wichtige Sekunden nehmen, was mich immer ruhiger werden lässt. Es geht sehr steil über die Schipiste rauf, über Schneefelder beim Ötscherschutzhaus vorbei in Richtung Ötschergipfel. Die letzten 300hm steigt man über eher felsiges Gestein, was sehr an unsere Heimatberge erinnert. Dies kommt mir natürlich zugute, da wir ja den gleichen Weg wieder runter laufen und ich somit im Downhill meine Stärken ausspielen kann. Am Gipfel angekommen wird ein großer Schluck getrunken die Handbremse gelöst und auf Anschlag der Downhill in Angriff genommen. Schnell hole ich 2 Mitstreiter auf und jetzt bin ich mir schon ziemlich sicher dass der Platz 3 in der Ultrawertung gesichert ist. Das wirklich einzige Negative dieses Wochenende ist, dass am Schluss viele bei der letzten Schipiste abgekürzt haben, und nicht wie wir den normalen Forstweg runter sind. Somit werde ich von Platz 9 oder 10 auf Platz 17 durchgereicht.

Aber alles egal, ich erreiche nach 2:06h das Ziel und festige somit Platz 3 in der Ultra Wertung. Der Wahnsinn!

Es bleibt einfach nur „Danke für dieses Wahnsinnswochenende“ zu sagen. Das Organisationteam hat perfekte Arbeit geleistet und bei jeder Ansprache von Herbert hört man die Begeisterung für dieses Event raus. Man merkt einfach, dass es dort nicht um Profit oder Selbstdarstellung geht, sondern einfach nur darum Menschen aus der Umgebung diesen schönen Fleck von Österreich zu zeigen.

Fazit: Top Event, Preis/Leistung einfach spitze (3 Mahlzeiten, Shirt, AK, insgesamt 12 Top Verpflegungsstationen)

 

Rock on

David Kapsamer