Man sucht immer wieder neue Herausforderungen, und so hab ich mich im November von Robert Weixelbaumer  auf das Abenteuer Lavaredo Ultra, bespickt mit 120km und 5800hm eingelassen, und nach etwas Zittern einen Startplatz bekommen. Von 3400 Anmeldungen wurden 1400 Startplätze ausgelost und das Glück war auf oberösterreichischer Seite, denn nicht nur Robert und ich, sondern auch echte Ultralegenden aus dem Gebiet mit Gregor Hain, Martin Schimpl, Dominik Aichinger, Thomas Heissl und Rick Grunwald bekamen einen Startplatz.

Leider musste Robert zwei Wochen vor dem Start absagen, da eine hartnäckige Fersenentzündung einen Start unmöglich machte.

Als Streckensupporter stoßen dann noch Klaus Littringer, Klaus Stadlmayer, der leider keinen Startplatz bekam und meine persönlichen Betreuer mein Schwager Patrick, seine Freundin Simone und meine deutlich bessere Hälfte Sandra dazu.

Das Grundgerüst steht die Stimmung ist ausgezeichnet, das Wetter heiß, aber stabil und somit ersehnen wir den Start am Freitag.

Die letzten Vorbereitungen laufen und die ansteigende Nervosität von allen Beteiligten wird mit viel Humor überdeckt.

Es ist Freitag 23:00, jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück und als der Start ertönt wollen 1800 Starter im dichten Gedränge nur noch die Startlinie passieren.

Ich beschließe mich an Thomas und Rick zu halten, die beiden haben genug Erfahrung, die mir als Ü100km Rookie nur helfen kann. Rick gibt das Tempo vor und Thomas und ich schließen uns an. Das Tempo bergauf ist hoch und somit werden die ersten 18km bis zur Verpflegungsstation nach knapp 2:10h erreicht. Noch sehr positiv gestimmt werden die nächsten km über Forcella Son Forca in Richtung Federavecchia, wo die zweite Verpflegungsstation wartet, gelaufen. Alles in allem läuft es sehr gut, nur ein kleiner Sturz von Thomas lässt uns wieder wachrütteln, dass das alles kein gemütlicher Spaziergang wird. Die Temperaturen sinken gewaltig, weil von überall das Schmelzwasser talabwärts läuft, auf ca. 5°. Bei der Verpflegungsstation in Federavecchia muss ich eine harte Entscheidung treffen, da mir das Tempo von Rick und Thomas gerade bergauf zu schnell wird, lasse ich sie schweren Herzens ziehen, und bin jetzt auf mich alleine gestellt. Es tut mir gut, dass ich mein eigenes Tempo gehen kann und ich fühle mich sehr wohl auf dem Weg zur Hauptsehenswürdigkeit des Laufes, nämlich den legendären „drei Zinnen“. Die Sonne geht langsam auf, was auch die Stimmung bessert, wenn man rundherum das atemberaubende Panorama der Dolomiten sieht. Auch mein Supporter Patrick lässt sich das nicht entgehen und fährt mit dem Bike auf der Straße zu diesem einzigartigen Anblick. Plötzlich höre ich von hinten zwei vertraute Stimmen. Ich muss irgendwo Martin überholt haben, der sich jetzt mit Klaus L. auf das Massiv der drei Zinnen kämpft. Zusammen kommen wir bei der Auronzo Hütte an, wo wir Dominik treffen und mal ordentlich gefrühstückt wird.

Zusammen laufen wir um die drei Zinnen bis zum höchsten Punkt des Rennens, dem Forcella Lavaredo. Nun wird die Jacke eingepackt und wir drei machen uns auf dem Weg zur großen Verpflegungsstation in Cimabanche. Doch meine zu wenigen Downhillkilometer machen sich bemerkbar und so muss ich auch Martin und Klaus L. ziehen lassen. Ich versuche konstant das Tempo zu halten nur der 1200hm Downhill macht meine Beine komplett fertig. Das erste mentale Tief kommt viel zu früh, und so schleiche ich schon bei Kilometer 66 auf dem sogenannten Zahnfleisch dahin. Mir gehen viele Sachen durch den Kopf, wie soll ich noch 54km und 2700hm schaffen? Vor allem das runterlaufen macht mir extremes Kopfzerbrechen. Bei der Verpflegungsstation warten schon meine Betreuer, die mir ansehen dass es mir gar nicht gut geht. Ich beschließe eine große Pause von ca. 20min zu machen und die Gewissheit, dass mich meine Freundin die nächsten 9km und 600hm begleitet, lässt mich von dem bösen „Did not Finish“ Gedanken ablenken. Nach viel Essen und Trinken wird der Forcella Lerosa in Angriff genommen. Bergauf bringe ich wieder ein super Tempo hin, was auch Sandra spürt und so erreichen wir zügig den Gipfel und laufen dann zur nächsten Kontrollstation, wo wieder Patrick und Simone auf uns warten. Leider tritt im Nachhinein gesehen durch die fortlaufende Erschöpfung, die malerische Gegend in den Hintergrund, schöne Bäche, saftiges Grün und der unglaubliche Panoramafernblick sind absolute Highlights der Dolomiten.

Bei Kilometer 75 angekommen kommen wieder aufbauende Worte meiner Betreuer. Patrick gibt mir ganz klar zu verstehen, wenn ich die nächsten 20km und 1200hm schaffe bin ich so gut wie durch. Nach einem kurzen Downhill beginnt der Anstieg auf das Forella Col die Bos. Es ist sehr steil und sehr der Sonne ausgesetzt. Ich muss öfters Pausen einlegen und ohne die reißenden Schmelzwasserbäche wäre es sowieso fast unmöglich nicht zu dehydrieren.

Mittlerweile ist es ca. 12:00 und ich bin seit 13h auf den Beinen, die heiße Sonne gibt jetzt noch den Rest dazu, und man begibt sich auf den Weg durch das sogenannte „Death Valley“, was nicht gerade aufkommende Euphorie erzeugt. Mittlerweile hat auch das Hauptfeld des 87km Laufs aufgeschlossen und so werde ich nur noch überholt, was nicht gerade motiviert. Es kommt das nächste mentale Tief. Man überlegt was man falsch gemacht hat, zu schnell angegangen? Zu wenig trainiert? Falsch trainiert? Oder vielleicht einfach nur ein schlechter Tag?

Im Prinzip ist es egal, weil die Ergebnisse sind alle die Gleichen, nämlich, dass das heute ein SEHR langer Tag wird.

An eine gute Zielzeit denke ich nicht mehr im Geringsten, es geht nur noch um das Durchkommen. Am Forcella Col de Bos angekommen wartet noch ein kurzer Downhill und ein kleiner Gegenanstieg bevor es zur lang ersehnten Verpflegungsstation in Rif. Col Gallina geht. Ich versuche mir mein Leiden und meine Probleme nicht anerkennen zulassen, was mir aber nicht im Geringsten gelingt und so machen sich die Betreuer schon Sorgen. Es wird wieder eine lange Pause eingelegt und mein Körper und meine Moral wird mit einem guten halben Liter Weizen Cola aufgefrischt. Sandra will mich nicht mehr alleine gehen lassen, und so macht sie sich als Pacemaker mit auf die Reise bis zum nächsten Kontrollpunkt am Passo Giau. Der edle Gerstensaft zeigt Wirkung und Sandra hat etwas Mühe mein Tempo bergauf mitzuhalten. Am Rif. Averau angekommen, geht es sehr steil bergab, ich kann kaum noch laufen und so werden die Kilometer immer länger. Am Passo Giau angekommen schließt sich nach kurzer Rast auch noch Simone an, und so starte ich mit den zwei Girls auf die letzten 17 Kilometer. Als hätte man schon nicht genug Probleme wird es noch mal richtig steil auf den Forcella Giau, egal ob man nach vorne oder hinten sieht, hier sind alle Athleten schon dermaßen fertig, dass uns sogar die Murmeltiere schon auslachen. Meine Fußgelenke sind schon so angeschwollen, dass ich einfach nicht mehr laufen kann. Die letzten Höhenmeter sind geschafft, doch es geht noch ca. 13km bergab Richtung Cortina und wenn man nicht mehr laufen kann sind 13km bergab noch sehr viel. Wir wandern nur noch in der aufkommenden Dunkelheit durch den Wald nach Cortina. Die letzten 2km werden einfach nur genossen. Von meinen Mitläufern euphorisch empfangen gehe ich Hand in Hand mit Sandra nach 23:54:29h ins Ziel, wo der Kampf endlich sein Ende nimmt.

Ohne meine Betreuer, vor allem ohne Sandra hätte ich es höchst wahrscheinlich nicht geschafft.

Alle im Team sind erleichtert, dass ich es auch noch geschafft habe und so genießen wir noch ein kühles Blondes.

Gratuliere meinerseits an  die unglaublich starken Leistungen

  • Gregor Hain 17:45:27h
  • Rick Grundwald 19:09:44h
  • Dominik Aichinger 19:10:23h
  • Thomas Heissl 19:58:08h
  • Martin Schimpl 19:10:21h

Der größte Dank gilt an unsere Supporter, die uns zu solchen Leistungen verholfen haben.

Fazit: Tolle Veranstaltung mit brutalen Eindrücken, die mich ein Leben lang begleiten werden.

Rock on

David Kapsamer

Kommentare   

0 #1 skdo.at 2019-07-21 07:06
Descry is enjoyably hastily conducive to win. skdo.at
http://bit.ly/2NN0XxX
Zitieren

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren