DSC00969Da es Verhältnisbedingt mit dem Mont Blanc heuer nicht klappte und auch zuhause keine gscheite Ersatz - Hochtour möglich war, war bald klar, dass in der Sommer - Hochtourensaison noch ein Gipfel fallen musste.

Die Gedanken schweiften von „Sommerschitour Kitzsteinhorn“ bis hin zu „Hochgebirgsberglauf“, aber dann gab es da noch so eine Idee.

Tagestour Großglockner“! Schon gemacht 2009, aber wieso nicht gleich von Zuhause aus und am selben Tag wieder retour? Gedacht getan, und so pilotierte unser Berg- und Laufspezi Jürgen am Samstag sein Auto in Richtung Felbertauern. Mit an Board Franz und Roman. Start war übrigens um 2 Uhr Morgen.

 

Jenseits des Felbertauern ging es kurz bergab um dann über die Kalser – Glocknerstraße zu unserem Ausgangspunkt zu gelangen. Erneut war es das Lucknerhaus auf 1920m Seehöhe.

 

Bald darauf (05:35) ging es im Schein der Stirnlampen Richtung Großglockner, dessen Silhouette bald darauf sichtbar wurde. Eine gewaltige Felsspitze ragt dort aus dem „noch“ ewigen Eis. Nach Norden hin zeigt sich der Berg von seiner Schokoladenseite, wie wir meinen.

Nach kurzem Marsch auf der Forststraße erreichten wir bald die Lucknerhütte und stiegen weiter in Richtung Stüdlhütte auf.

Bevor der Steig dann nach links zur Stüdlhütte zieht, stiegen wir gleich frontal Richtung Ködnitzkees auf. Zuerst auf Steigspuren, später weglos, erreichten wir wieder den Weg der von der Hütte herüber zieht. Ca. 1km gespart.

Nach 1h45min erreichten wir bereits den Anseilplatz am Gletscher und stellten dann die Hochtourenadjustierung her. Gestartet wurde ja einmal mehr in Berglaufschuhen. Das Ködnitzkees war zum größten Teil bis zum Eis abgeschmolzen und Spalten gut sichtbar. Deshalb verzichteten wir auf ein Anseilen.

Nun drosselten wir das Tempo etwas und überquerten den Gletscher hinüber zur Langen Wand, über welche man zum Teil seilversichert auf die höchstgelegene Hütte Österreichs, die Erzherzog Johann Hütte (3451m) gelangt. Der Gletscherrand(schrund) muss im Moment über eine eher spartanische Hühnerleiter gemeistert werden. Hier schon erste kleine Staus.

Der felsige Abschnitt wurde mit den Steigeisen bestiegen. Das erneute Anlegen auf der Adlersruhe kann man somit gespart werden. Auch ein in der Mitte befindliches Schneefeld kann mit Eisen direkt und schnell gequert werden.

Nach 3h20min brachten wir auch diesen Abschnitt hinter uns und machten erstmal eine kleine Pause auf der Sonnenterasse.

Wir lagen also sehr gut in der Zeit und konnten nun zum finalen Gipfelsturm aufbrechen. Die Verhältnisse waren gut, das Wetter perfekt, einzig allein der Umstand der vielen Bergsteiger die zu Österreichs höchstem Berg wollten, trübte das Unternehmen ein bisschen.

Schnell waren wir oben beim Glocknerleitl angelangt und konnten wieder einige „Bergsteiger“ überholen.

Also was hier alles hoch will ist gigantisch! Welch schwache Leute an den Kurzseilen der Bergführer gehen, usw. OK, für das sind Bergführer da. Aber alle anderen die mit spärlicher Ausrüstung, zum Teil ohne Rucksack, mit leichten Trekking-Schuhen, etc. unterwegs sind, schreien förmlich nach einer Taubergung und gehören nicht auf diesen Berg bzw. ins Hochgebirge!!

 

Das Leitl ist soweit ausgeapert und nur mehr ein Mix aus Eis und Dreck, dass man schon an den Grundfelsen des Kleinglockners im Fels ansteigen musste. Nach den ersten Metern im Fels (wir kletterten wiederum mit Eisen), musste man gleich Mal am deponierten Material (Stöcke, Steigeisen, sogar eine Winterjacke) der Alinisten vorbei.

Wir deponierten unsere Steigeisen und den Pickel erst am Ende der Rinne, was wiederum für Auf- und Abstieg nur zum Vorteil ist. Sofern man das Gehen mit Eisen im Fels beherrscht.

Und dann passierte, was bei so vielen Leuten am Berg passieren muss. Durch Steinschlag wurde ein Alpinist so schwer verletzt, dass der Heli gerufen werden musste. 50m über uns wurde der Mann dann per Tau durch einen Flugretter gerettet.

Dennoch kamen wir relativ flott voran und packten erst ganz oben am Grat das Seil aus. Grundsätzlich ist das Gelände nicht schwierig, bis max. II, jedoch hieß es in anbetracht des weiteren Gedränges, Safety First und so gingen wir im Seilschaftsverband weiter. Der Weg ist perfekt mit Ringbohrhaken und den bekannten Eisenstangen abgesichert.

Ab dem Kleinglockner hieß es dann zeitweilig warten und absteigende Kollegen vorbei lassen. Als geübte Felsgeher konnten wir dabei die Aussicht genießen! Quasi bei der Schlüsselstelle, Abstieg in die Glocknerscharte [C] mit finaler 30m Wand war die Lage extrem. Jeder kleine Tritt war von Bergsteigern besetzt!

Dennoch behielten 99% der Leute die Nerven und waren sehr diszipliniert!

Nachdem wir die letzte Hürde dann auch noch direkt nehmen (II+) konnten, erreichten wir schließlich über leichteres Gehgelände den Glocknergipfel mit seinen 3798 Metern!

Blick auf die Uhr, 11i. Des passt (5h25min)!

Nach einer längeren Pause lösten sich die Menschenmassen am Normalweg schön langsam auf und so traten wir um Mittag den Abstieg an.

DSC00983Außer ein paar Minuten Wartens ging der Abstieg über den Grat problemlos und so konnten wir dann wiederum mit Eisen an den Füßen rasch zur Adlersruhe absteigen. Das Material wurde verstaut und weiter ging‘s. Wir wählten für den weiteren Abstieg dann den Oberen Mürztalersteig, welche an seinem Ende wiederum am Könditzkees endet (viele Torstahlbügel im senkrechten Fels). Der Untere Mürztalersteig endet weiter unten ebenfalls am Ködnitzkees. Da hier am Ostrand des Gletschers die Schneebrücken schon aufgeweicht waren, seilten wir uns an, da hier die Spaltensturzgefahr nicht unterschätzt werden darf! Nachdem wir den Gletscher hinter uns gelassen haben, das Material im Rucksack verstaut war, schauten wir, dass wir so schnell als möglich zur Lucknerhütte runter kommen, da uns schon sehr dürstete. Bei den Wasserreserven haben wir leider zu viel gespart. Exakt um halb vier ließen wir uns dann im Gastgarten nieder und bestaunten den in weite Ferne gerückten Gipfel!

Nach einer köstlichen Stärkung und „einem“ Hopfengetränk ging‘s zurück zum Auto beim Lucknerhaus!

Geschafft!

Der am Vormittag noch so glasklare Gebirgsbach hat sich in der Zwischenzeit in einen sandgefärbten Wildwasserbach verwandelt. Naja, alles kann man auch nicht haben!

Dann bestand die nächste Hürde „nur“ noch darin, die Heimreise von Osttirol nach Oberösterreich zu absolvieren. Jürgen (fettes DANKE an dieser Stelle) nahm auch diese Aufgabe mit Bravur!

Die eine oder andere Jausen/Bier – Pause musste da schon sein!

Nach 20 Stunden war das Abenteuer „Tagestour Großglockner“ dann Geschichte!

Resümee: A geile Tour!

Berg Geil,

Roman

 

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