Wolgangsee2014

Wenn es so etwas wie den perfekten Lauf gibt, habe ich diesen gestern im Zuge des 5. Salzkammergut-Marathon erleben dürfen! Manche von euch kennen sicher das Gefühl am Morgen vor einem Wettkampf, wenn man spürt, dass heute der Tag der Tage sein könnte. Bei mir war es am Sonntag leicht spürbar, lag aber vielleicht auch am packenden Moto-GP, für den ich mir den Wecker etwas früher gestellt hatte. Unglaublich dieses Rennen, Kaffee zum Munterwerden benötigte ich auf alle Fälle keinen mehr!

 


 

Um 07:50 Uhr machte ich mich dann auf in Richtung Ebensee, wo Thomas, der am frühen Morgen von einer Montage in Deutschland zurückgekommen ist, schon auf mich wartete. Musikalisch unterrahmt wurde die Fahrt nach Ebensee von „Rise Against“, der ideale Motivator und Stimmungsmacher vor einem Lauf!

Ab nun ging es mit Thomas weiter nach Bad Ischl, Musik nicht mehr ganz so laut, aber immer noch so laut, dass es einem gepflegten Punk-Rock würdig ist! ;-)

In Ischl angekommen machten wir uns auf den Weg zur Trinkhalle, um uns die Startnummern abzuholen und die letzten Minuten vor dem Rennen im Warmen verbringen zu können. Die fünf Grad Außentemperatur lüden förmlich dazu ein.

Pünktlich um 09:20 Uhr wurde der Marathon vom Bürgermeister gestartet. Rund 230 Marathonis hatten von nun an nur ein Ziel, St. Wolfgang am Wolfgangsee. Dabei gab es nur einen Haken, es mussten zuerst 42.195 km mit 417 hm (!) überwunden werde!

Ziemlich schnell bildeten sich zwei Gruppen. Die Führungsgruppe mit Mehrfachsieger Andreas Pfandlbauer umfasste an die sieben Läufer, die Verfolgergruppe, wo sich auch Thomas und Matthias wiederfanden, bestand aus drei Läufern, inklusive der Beiden!

Mit mäßigem Tempo (4:10min/km) machten wir uns nun über Pfandl, Wirling zum Gasthof Bürglstein auf, wo die Strecke nach gut 12 Kilometern in den Originalkurs des 27-km-Klassikers übergeht. Nach gut 63 min erreichten wir schließlich St. Wolfgang, wo wir von den 27 km Läufer mit tosendem Applaus empfangen wurden. Wir hatten nun schon an die 16 km in den Beinen und das schönste noch vor uns, den Falkenstein mit seinen knapp 300 hm; da kommt es einem zugute, wenn man wie wir, den Großteil des Trainings in den heimischen Bergen verbringt. Manchen nicht so bergerfahren Läufer mögen beim Anblick des Falkensteins buchstäblich die Haare zu Berge stehen! ;-) Ich nutzte die flachen drei Kilometer zum Falkenstein um mein Tempo ein bisschen zu forcieren (3:55min/km) und somit ließen mich Thomas und unser „Schatten“ ziehen.

Ich drosselte das Tempo im Aufstieg erheblich und die letzten 500 Meter wurden sogar in klassischer Berglaufmanier absolviert. Das heißt, Hände auf die Oberschenkel und gib ihm! Hier wurde ich auch vom späteren Sieger des Klassikers, Hosea Tuei aus Kenia überholt.

Beim Downhill nach St. Gilgen galt meine ganze Aufmerksamkeit dem Bodenbelag. Das Rennen kann hier bei einem falschen Schritt ziemlich schnell vorbei sein. Sehr steile Schotterstraße mit teils groben Gestein!

Bergab versuchte ich ebenfalls nicht zu überpacen, um meine Muskulatur für die restlichen 21 km noch „frisch“ zuhalten.

Im Nachhinein betrachtet, gelang mir das wirklich gut; ich konnte mit einer Pace von 4:05min/km dem Ziel, St. Wolfgang „entgegensprinten“ und einen Konkurrenten nach dem anderen einsacken. Schlussendlich war es dann nur noch einer, nämlich Stefan Greiner, der vor mir das Ziel erreichte! Unglaublich, ich hatte ja schon öfter einmal schräge Gedanken, aber mit solchen Gedanke - Platz zwei gesamt bei einem Marathon mit internationaler Besetzung - hätte ich meine Zeit noch nie verschwendet.

Aber was soll man noch großartig sagen? Ich zitiere einfach Rudi Nierlich:“ Wonns laft, donn lafts!“.

Herzliche Gratulation auch noch an Thomas, der den Marathon als starker Zehnter beenden konnte!

Franz Sperrer und seinem Team kann man nur gratulieren, Organisation und das ganze Drumherum wie immer top und mit Sicherheit einer der schönsten, wenn nicht der schönste Lauf Österreichs!

Sportliche Grüße,

Matthias