IMG 2299Schon lange schwebte mir ein Start bei einem 24 Stündler vor. Nie reichte aber Motivation bzw. das Leistungsniveau. Ende 2015 stand dann mein Entschluss fest. Start in Irdning im Juli 2016 und am besten gleich in der Teamwertung bei den ÖM. Leider fanden sich keine weiteren 2 Verrückte für dieses Unterfangen. Egal. Somit begann ich schon bald mit der Planung der Vorbereitung.

Ein abgewandelter 8 Wochen Plan mit 2 Spitzen (2x30km und 2x42km mit Pause dazwischen) schien mir als passend. Und im Vorfeld ein Marathon oder ähnliches (es wurde die schon fast obligate Atterseeumrundung).

Mit einem guten Gefühl ging es also am 1. Juli mit meinem Betreuer Simon in die grüne Mark. Schon die „Vorbereitung“ am Renntag war irrwitzig. Spät aufstehen, also um 7, arbeiten, Auto einräumen, etc., Anreise.

Zeitgerecht trafen wir im Renngelände ein, holten die Startunterlagen ab und wurden dann einem Campplatz zugeordnet. Dieser lag zwar direkt an einem Werbebogen inkl. lautem Gebläse, jedoch auch neben der Labstation und innerhalb der Verpflegungszone (nur dort darf einem Meisterschaftsteilnehmer Essen oder sonstiges gereicht werden. Der Start bei der ÖM war mit ein paar Regeln mehr behaftet als der offene Lauf), was sich als ideal erwies.

Um 18:00 ging es zum Läuferbriefing bei der Hauptbühne, wo sich das gesamte Startfeld (alle Staffeln + Einzelläufer) versammelte. Danach schossen wir noch ein paar Bilder von der stimmungsvollen Strecke, welche ja bloß 1,217m misst. Aber auch dieser Umstand erwies sich als hervorragend, denn sämtliche Streckenteile waren umzingelt von den Zelten der Läufer bzw. deren Betreuer und so wurde man 24 Stunden ununterbrochen angefeuert. Noch dazu wenn man eine schwarze Einzelstarternummer hatte.

Dann wurde es ernst. Noch schnell ins Dixi Klo und ab die Post. Durch ein Mistgeschick aber schlug ich mir das Knie auf und bekam sofort ziemliche Schmerzen. Toll, 4min vor dem Start. Also kurz eine kalte Bierflasche drauf, für ein Pflaster blieb keine Zeit.

DSC0226619:00 Start! Alles ging gut und ich startete wie geplant gemächlich los. Immer im Bereich 06:30 – 06:45min/km. Die Taktik sah ja vor, die ersten 90km so durchzulaufen, natürlich mit Ess- und Trinkpausen um die 100km Marke bei Halbzeit einzutüten. Schlaf wollte ich mir zur Gänze schenken.

So weit so gut. Somit spulte ich Kilometer um Kilometer ab. Fand ich mich zu Beginn fast am Ende des Feldes, rückte ich mit der Zeitdauer des Rennens immer weiter nach vorn. Mein Coach reichte mir nicht nur Getränke, sondern versorgte mich auch um mit renntaktischen Daten (Splittzeiten, Zwischenrang, etc.). Es war gut gelaufen und beim ersten Marathon hatte ich bereits einen Vorsprung von ~ 20min auf mein Plansoll.

Die Kunst bei der Sache war, sich nie von den Staffelläufern oder den vielen Top – Athleten mit reißen zu lassen, die mehrmals an einem vorbei gelaufen kamen.

Ich blieb halbwegs auf Plan und irgendwann nach Mitternacht schickte ich Simon ins Bett und setzte mein Rennen in die dunkle Nacht fort. Eine Stirnlampe war bei meinem Tempo nicht nötig. Einem Staffelläufer hätte diese vermutlich nicht geschadet, denn die Favoritin des Tages wurde von einem solchen mit einem Magenbeugerl ausgeschaltet. Obwohl mehrmals durchgesagt wurde, dass die 24h – Läufer stets „Vorrang“ haben.

Mittlerweile hatte ich an meiner Taktik etwas gefeilt und kam jede 5km rein zum Trinken. Alle 10km wurde dann auch gegessen.

Apropos Essen, die Labstation verdient den Titel „Best which I´ve ever seen“. Hätte man von allem nur einmal probieren wollen, hätte man vermutlich noch einmal 24 Stunden dafür benötigt. Der Service sowie die Auswahl waren also perfekt. So ließ ich mir von Simon oftmals etwas holen (er hatte auch eine Startnummer) und konnte dies nach eine Runde sofort konsumieren.

Ich holte mir also 10er um 10er ohne jegliche Probleme. Nur meine Fußsohlen machten sich schön langsam bemerkbar und schmerzten leicht. Krämpfe? Fehlanzeige.

Ich dachte schon, ein Traum wie einfach 100km zu erlaufen sind und spekulierte schon mit einer neuen Bestzeit.

Doch schön langsam wurde es etwas beschwerlicher und ich wurde müde, konnte die Peace aber halbwegs halten. Pausen wurde jedoch länger. Nach kurzer Nacht wurde es schon bald wieder hell und ich freute mich schon, wenn Simon wieder an der Strecke stand.

IMG 2331Irgendwie kam auch mit seiner Mithilfe der 100er nicht daher und so entschied ich mich, nach der Morgentoilette kurz hinzulegen. Also rauf auf die Liege, Blick zum Coach, 15min müssen reichen, so meiner letzten Worte bevor ich in einer Art Schlaf fiel.

Simon gönnte mir dann doch 20min, aber dann ging es gleich wieder auf die Piste.

Kilometer 101. Zwischenzeit 13:43. Also doch mehr als eine Stunde hinter meinen Plan. Aber egal. Die die weitere Vorgehensweise ab KM 100 war klar. Durchhalten und sehen war passiert bzw. heraus kommt.

KM 107. Nun war es soweit, die ersten Runde musste gehend absolviert werden. Ist aber kein Beinbruch bei einem solchen Rennen. In der Nacht habe ich mich umgehört, und die meisten, auch die Schnellen versuch in den Nachtstunden Kilometer gut zu machen. Denn am Tag mit Temperaturen bis 27 Grad ist dies ohnehin nicht mehr möglich.

Die Aushängeschilder des österreichischen Ultralaufsports haben es dann vielleicht in der Nacht doch etwas übertrieben und mussten teilweise aufgeben.

KM 120. Endlich habe ich zum Laufschritt zurück gefunden und nutze diesen Höhenflug sofort zu einer Attacke und konnte so wieder Positionen gut machen. Mittlerweile brennen die Fußsohlen total. Hätte ich bloß solche Spezial – Schuhe (breite Schlüpfer mit endlosem Gummi an den Sohlen) wie Andi Michalitz, Mitfavorit und späterer Sieger sowie österr. Ultralaufmeister!!

DSC02289Trotz der Schmerzen entwickelte sich das Rennen genau nach meinem Geschmack. Rang, irgendwas mit 20, Hitze für alle von der herabbrennenden Sonne und jede Menge herum torkelnder Mitstreiter. Das ist Ultralauf!

Irgendwann endet das Hoch und es muss wieder gegangen werden. Wurscht. Eine weiteres Powernapping musste her. Machten auch manche Renommierte. Als quasi Rookie musst du dir das alles erstmal abschauen J.

An ein Laufen ist auch nach der Pause nicht mehr zu denken, bloß 1 Runde schaffte ich und so spule ich nun Runde um Runde im flotten Schritt ab. Nehme mir aber fest vor, wenn Claudia, mein älterer Bruder und mein Neffe Fabian dann zum anfeuern kommen, wieder zu laufen.

KM 135. Meine Fans sind da, also Laufschritt!!

Ich versuchte nun so schnell als möglich an die 140km – Marke heran zu kommen und dann wär es ja nur mehr ein 10er zum ersehnten Ziel, 150 Kilometer.

Irgendwie beginnt aber dann das rechte Knie zu schmerzen und wird von Runde zu Runde schlechter. „Verdammt“ dachte ich mir. Mir ging es noch so gut, hatte die schmerzenden Fußsohlen über Stunden ausgeblendet und nun muss ich wegen dem blöden Knie aufgeben?

KM 140. Nichts geht mehr. Schleppe mich mit Schmerzen in jede nächste Runde. Der Perskindol Spray wird auch schon langsam alle J

Da ich mich nicht ernsthaft verletzten wollte, resigniere ich und fasse den Entschluss mit 145km auszusteigen. Gut eine Stunde vor Rennende.

Gebe dies so meinen nun zum Betreuerstab aufgestocktem Team weiter und wir bereiteten einen Zieleinlauf vor.

DSC02294Letzte Runde: Genieße noch einmal die ganze Stimmung, bedanke mich bei der Labstation für die Unterstützung und gehe dann in Richtung Ziel und überschreite das letzte Mal die die Zeitnehmungsmatte.

144,91km in 22 Stunden und 31 Minuten! 119 Runden.

Die Traurigkeit über die vorzeitige Aufgabe schwindet rasch. Und der Stolz über die erbrachte Leistung und der Umstand diese Sache doch relativ locker gemeistert zu haben, überwiegen.

Das Rennen selbst kam nun in eine heikle Phase. Ein weiteres Gewitter zog auf. Und dieses Mal sollte es uns alle ziemlich erwischen. So wurde die Kinderstaffel abgebrochen und wie für diesen Fall geplant, sammelte man sich in der Stockschützenhalle. Alle anderen ließ der Veranstalter weiter laufen.

Wir schauten uns die letzte Stunde im Trockenen vom Tennisbuffet aus an. Immer ein Blick aufs aktuelle Ranking.

Schließlich rutschte ich wie erwartet noch ein paar Plätze zurück. Dennoch blieb ich als Gesamt 29. unter den Top 30 J In der M35 landetet ich sogar auf Rang 4.

Bei allem Hochgefühl, darf aber nicht geleugnet werden, dass ich für eine Wertung in der ÖM, dann doch zu langsam war. Gewertet wird ab 160km!

 

Bleibt nur noch eines zu sagen, danke an meine Familie für die Unterstützung beim Training!

Specials Thanks an Simon, der mich 24 Stunden lang betreut hatte!

Und natürlich auch an Robsie und Fabian, die den weiten Weg nach Irdning gekommen waren.

And last but not least, danke an den Veranstalter für die hervorragende Ausrichtung dieses Megaevents!

 

Roman

 

PS: Achtung! Wiederholungsgefahr! Nicht aber 2017 ;-) Empfehlenswert ist sicher eine Staffel – Partie!

Info: http://24h-lauf.at/

DSC02296

Kommentare   

0 #6 Franz Aschenberger 2016-07-15 14:43
Gratulier, Hammer Leistung, top Ergebniss!
Einfach Ultra!
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0 #5 Thomas Haas 2016-07-13 09:25
The Mentalist, sehr sehr stark Roman, gratuliere!
Geile Ultraparty danke nochmals.
Lg
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0 #4 Jochen Voit 2016-07-11 12:33
Geiler Bericht!!!Gratuliere zu deiner Leistung!!
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0 #3 Horst Ingelsberger 2016-07-11 08:32
Leider erst jetzt gelesen- Tolle Leistung, wahnsinns Programm!!! ---Höher, schneller, weiter,...
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0 #2 Dezi 2016-07-10 21:16
Gratuliere zur Leistung und Bericht
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0 #1 Kapsamer David 2016-07-09 23:56
Du bist der verrückteste von uns :)
Gratuliere zu der Körperlich und vor allen Mentalen Leistung. Vll lass ich mich doch überreden 2017, schaut nach einer echten Herausforderung aus.
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